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Der unbekannte Krieg

Kirchberg/Simmern. Am vergangenen Wochenende (8. u. 9. Mai) wurde in Kirchberg und Simmern das multimediale musikpädagogische Projekt „Der unbekannte Krieg“ vor insgesamt rund 800 Zuschauern aufgeführt. Anlass waren der 70. Jahrestages des Überfalls auf Polen beziehungsweise der 65. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Beide Veranstaltungen waren komplett ausverkauft. Schon vor Beginn der eigentlichen Aufführung wurden die Besucher am Eingang und im Vorraum mit Lichtprojektionen und Videoaufnahmen von Zeitzeugen thematisch eingestimmt. Die Schirmherrschaft des Projekts lag bei Landtagspräsident Joachim Mertes, der bei der Veranstaltung in Kirchberg ein Grußwort sprach: „Das Kriegsende liegt nun 65 Jahre zurück. Es gibt noch Zeitzeugen, die die schreckliche Zeit erlebt haben. Irgendwann wird es sie nicht mehr geben. Deshalb ist eine Erinnerungskultur dringend notwendig, um nichts vergessen zu lassen.“

Während der neunmonatigen Projektphase haben sich rund 250 Jugendliche mit den Ursachen, dem Verlauf und den Folgen des Zweiten Weltkriegs auseinandergesetzt. „Junge Menschen sollten in diesem Projekt selbst erfahren, wie Kriege unsere Gesellschaft allgemein und jeden einzelnen Menschen individuell prägen“, erklärt Projektleiter Roland Unger von der Landesmusikjugend Rheinland-Pfalz.

Das Theaterstück von Hotte Schneider zu den Geschehnissen auf der Burg Waldeck bei Dorweiler von 1920 bis 1945 stellte den regionalen Bezug her und war der offizielle Beginn der Veranstaltung im Saal. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler setzten beeindruckend und sehr sensibel die Geschichte über die Vorkriegs- und Kriegszeit um. Während der Proben zu „Der unbekannte Krieg“ konnten sie ihre eigenen Ideen und Interpretationen einbringen.

Nach einer kurzen und für alle Besucher nachdenklichen Pause begann mit dem zeitgenössischen Requiem des Simmerner Komponisten Carsten Braun das Kernstück des Projekts „Der unbekannte Krieg“. „Um Jugendliche emotional zu berühren, kombinierte ich Augenzeugenberichte in Gedichtform mit musikalischen Stilmitteln, die der heutigen jungen Generation vertraut sind und mit denen sie mehrheitlich ihre Gefühle – positiv wie negativ – verbinden beziehungsweise auszudrücken pflegen“, erklärt Braun. Das einstündige Requiem besteht aus fünf Sektionen von „Krieg wirft seine Schatten voraus“ bis „Hoffnung, Aussicht, Frieden“. Aufgeführt wurde es durch junge Menschen: die Frauenbrass-Band „Wonderbrass“, das Kreisjugendorchester, das Kammerorchester, die „No Limits“ und die „Kastellauner Kirchturmspatzen“ der „Kastellauner Chorakademie“. Unterlegt waren synthetische Rhythmen aus dem Computer, sie verbanden Musikrichtungen von Elektronischer Musik wie Techno und Drum´n Bass bis hin zu Rockmusik und Heavy Metal. Parallel unterstützten selbstgefertigte Videoprojektionen und Lichtinstallationen die Wirkung, künstlerisch aufgearbeitet und umgesetzt durch den Kunststudenten Maik Helfrich. Die Zuschauer zeigten sich überwältigt von der Umsetzung des schwierigen Themas „Krieg“ und würdigten das Engagement des gesamten Teams mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus.

„Wir haben festgestellt, dass im Geschichtsunterricht häufig reines, faktisches Wissen vermittelt wird. Die Jugendlichen haben sich in unserem Projekt musisch, kreativ und künstlerisch mit der Geschichte auseinandergesetzt. Sie wurden so ideal auf ihrer emotionalen Ebene angesprochen, ihre Erfahrungen damit haben sich tief in ihnen verankert“, berichtet Peter Schulz, stellvertretender Projektleiter und Leiter der Kreismusikschule Rhein-Hunsrück.

Zahlen, Daten und Fakten: Das Projekt lief über einen Zeitraum von neun Monaten vom 1. September 2009 bis zum 9. Mai 2010. Über 250 Menschen jeden Alters wirkten sichtbar und unsichtbar direkt am Projekt mit:

11 Schauspielerinnen und Schauspieler

5 Musikerinnen von „Wonderbrass“

30 Streicher und Streicherinnen im Kammerorchester

50 Musiker und Musikerinnen im Kreisjugendorchester

75 Sängerinnen und Sänger bei dem Chor No Limit

Arbeitsgruppen zur Erstellung der Präsentationen, die Filmemacher und die Videoteams

„Der unbekannte Krieg“ ist eine logistische Meisterleistung. Innerhalb von zwei Tagen wurde in Kirchberg und Simmern das Projekt aufgebaut und aufgeführt. Die Veranstaltungsräume mit ihren spezifischen Bühenaufbauten boten Platz für jeweils 400 Zuschauer.

Text u. Fotos: Kreismusikschule RLP

 

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