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"Mier schwätze Platt" war ein Volltreffer
MundartabendOberwesel - Mundartabend im Kulturhaus wird im März wiederholt. Einen Heidenspaß hatten die Besucher des ersten Mundartabends im Kulturhaus Oberwesel. Mit einer überaus launigen Einführung in die sprachwissenschaftlichen Eigenarten der deutschen Mundarten im allgemeinen und des Oberweseler Platt im besonderen, garniert mit ulkigen Beispielen aus der Sprachpraxis, eröffnete Kulturhaus-Chefin Irene Busch den bunten Abend, der von da an allein den Oberweseler Sprachkünstlern gehörte.
Den Auftakt machte Gerti Kremer mit einer humorvollen Betrachtung über die "Weseler Ousdrick", die für lebhafte Erinnerungen im Publikum sorgten. Karl-Heinz Link verlieh der biblischen Schöpfungsgeschichte durch die Übersetzung ins Weseler Platt eine ganz eigene Note und berichtete mit "Aldegundismarkt", "Feierdaach" und "Spectaculum" über die Feste im Jahreskreis. Seine Schilderung der speziellen "Andacht" der Oberweseler während der Fronleichnams-Prozession rief besonders große Heiterkeit hervor.

Theo Michaely hatte sich mit seinem Textvortrag einige Weseler Originale vorgenommen, die er auf hintergründige Art beschrieb. Seine Glossen über die Berta, den Nickela und andere "Eingeborene", aber auch die verschmitzte Art seines Vortrags, sorgten für Begeisterung.

Bereits in der Pause, bei einem Glas Wein und leckeren Hausmacher Schnittchen, zeigte sich, wie sehr die Besucher sich mit dem Thema Mundart identifizierten. Da wurde gefachsimpelt, gezankt (nää, das haaischt bei uns so un nit so!) und alte, längst vergessen geglaubte Wörter tauchten plötzlich wieder auf und machten die Runde.

Nach der Pause glänzte Josef Friedsam mit einem Vortrag über eines der Markenzeichen der Oberweseler, ihre Spitznamen, und erntete etliche "Aha-Erlebnisse", viele Lacher und immer wieder zustimmendes Geflüster im Saal ("Ach ja, der Kolldo! - Den Blechbaron habe ich auch noch gekannt!")

Karl-Heinz Persch trug anschließend gereimte "Stickelcher" eines vor vielen Jahren verstorbenen Oberweselers vor. Franz Kirchgässer hat eine auf das Jahr 1926 datierte Mappe mit Gedichten hinterlassen, die zum Erstaunen aller deutlich machten, wie unwesentlich sich das Weseler Platt seither verändert hat. Das Publikum konnte sich davon überzeugen, dass bis auf einige wenige Worte, die im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr vorhanden sind, die hiesige Mundart nichts von ihrer Originalität eingebüßt hat.

Das Oberweseler Urgestein Walter Persch brachte schließlich mit urkomischen Moritaten aus der guten alten Zeit - alle wahren Ursprungs, wie er beteuerte - die Stimmung auf den Höhepunkt. "Hol iewer", "Die Hiemelfohrt", die "Ballade vum Schwarze Anton" und "Bruderlieb" waren nicht nur lustige "Verzählcher", sondern wie alle Vortragstexte dieses Abends auch echte Zeitzeugnisse einer vergangenen Ära, die unbedingt vor dem Vergessen bewahrt werden müssen.

Als zum Abschied der ganze Saal aus voller Kehle das Oberweseler Heimatlied schmetterte (und wer etwas auf sich hält, kann das natürlich auswendig!), begannen die Wände des ehrwürdigen Kulturhauses endgültig zu wackeln.

Ans Nach-Hause-Gehen dachte danach keiner, und es wurde noch ein langer, stimmungsvoller Abend. Eine tolle Veranstaltung jenseits jeglicher Heimat-Tümelei!

Wegen der enormen Kartennachfrage wird der Mundartabend am Sonntag, 15. März um 18 Uhr wiederholt. Eintrittskarten zum Preis von 8,00 ¤ inklusive Imbiss gibt es ab sofort im Kulturhaus (06744/714726) und bei der Tourist-Information (06744/710624).
 

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