Startseite - Reiseberichte - Die Provence
Die Provence

Bergdorf im LuberonProvence - Wer an die Provence denkt, dem schweben lilafarbene Lavendelfelder in flirrender Hitze vor, da kommt einem die Würzmischung "Kräuter der Provence" aus dem Supermarkt in den Sinn und man hat die kitschigen Bilder der Carmargue vor Augen. Alles nur ein Klischee oder ist sie wirklich so schön, die Provence? Zum Einen kommt es auf die Jahreszeit, zum Anderen auf die Tageszeit an, wann man wo hinkommt. Im Sommer kann man mit 35C und Mallorca-ähnlich überfüllten Sehenswürdigkeiten rechnen. Frühjahr und Herbst scheinen die besseren Jahreszeiten für einen Besuch der Provence zu sein. Dann sollte man aber auch entweder früh morgens oder am Abend unterwegs sein, denn in der Zwischenzeit trampelt einen die Touristenkarawane gnadenlos platt. Die Illusion einen "Geheimtipp" zu haben, kann man sich getrost abschminken - es gibt keine Geheimtipps mehr in der Provence. Was vor 10-15 Jahren noch frei zugänglich und wenig besucht war, ist jetzt touristisch voll ausgeschöpft, mit Audioguide in fünf Sprachen und Fast Food "en american". Aber es gibt sie trotzdem noch, die wenigen magischen Momente, in denen die einzigartige Natur dieser Landschaft einen in ihren Bann zieht, wo Zeit und Raum verschwimmen. Wo man das Gefühl hat, alleine an einem Ort zu sein, gerade so, als wenn nicht vorher schon Tausende denselben Weg beschritten hätten. Eben früh morgens oder später, kurz vor der Dämmerung, wenn die Fledermäuse aus ihren Höhlen kommen und wenn kleine Skorpione über Wege krabbeln, wo Stunden vorher noch hunderte Menschen her gingen. Und sogar ein Urlaub mit Kindern ist in der Provence möglich, dank der vielen Attraktionen, die auch für den Nachwuchs interessant sind.
Wohnen und Essen sind in Frankreich bekanntlich nicht billig, aber es gibt in der Vor- und Nachsession gut eingerichtete Ferienhäuser halb so teuer wie im Sommer. Preiswerte Restaurants muss man halt suchen und immer auf den Preisaushang bei Cafes achten! Ansonsten geht man eben zu Feinkost Aldi oder zu Monsieur Leclerque einkaufen.
Erreichbar ist die Provence über die "Autoroute de soleil" oder man nimmt den Billigflieger Ryanair vom Hahn aus nach Montpellier und mietet sich dort einen Wagen.

Alpillen
Die Alpillen sind ein kleiner Gebirgszug, dem man von Norden nach Süden von St. Remy bis Arles überqueren kann. Mitten drin liegt Les Baux, ein Bergdorf, dass einst verlassen, in den 70ern von Künstlern wiederbelebt wurde. Überragt wird das Dorf von der Festung Chateau des Baux, wo im Mittelalter Troubadoure Minnesang - Wettstreite ausfochten. Den Namen hat Les Baux übrigens vom Bauxitabbau. Die Straßen sind eng und ebenso die Schluchten, die man mehr als einmal durchfahren muss. Direkt neben Les Baux ist die "Cathedrale d'Images", ein einmaliges Kunstexperiment. In einem stillgelegten Steinbruch werden in einer großen durch den Abbau entstandenen Höhle Bilder mit Diaprojektoren überdimensional an alle Wände projiziert. Dazu gibt es, wie in Frankreich üblich, eine musikalische Untermalung. In diesem Jahr wurden Bilder von Bosch und Bruegel gezeigt. Neben der Cathedrale d'Images gibt es noch mehrere Höhlen, ein ganzes Labyrinth, was aber mittlerweile wohl aus Sicherheitsgründen abgesperrt ist. 1990 hatte ich noch die Gelegenheit durch diese Schattenwelt zu streifen und Fotos zu machen.
Die Alpillen sind unbedingt sehenswert, eine Landschaft die ihre Schroffheit in der Abenddämmerung verliert, wenn Les Baux von der untergehenden Sonne in orange getaucht wird und abseits der Straße die Kräuter der Provence so duften, dass man Appetit bekommt.

Vaucluse
Das Plateau de Vaucluse erhebt sich nördlich der N100, also gegenüberliegend des Luberon und hat ebensoviel Schönheit zu bieten.
In der Nähe von Apt, bei Rustrel sind die ehemaligen Ockerbrüche der Römer.
(Colorado de Rustrel) Hier wurden die Farben für Textilien, Häuserputz und vieles mehr gewonnen. Was übrig blieb ist eine bizarre Felslandschaft in den herrlichsten Ockertönen. Bei Roussillon sind ebenfalls solche Ockerfelsen zu sehen, wobei das Ockerdorf sehr Touristisch überlaufen ist. Ein weiteres Highlight ist das Bergdorf Gordes, wo man unzählige Galerien in den alten Häuserschluchten besichtigen kann (entre libre). Aber Vorsicht: im in verschieden Reiseführern abgebildeten Cafe mit den grünen Stühlen kostet ein Kaffee oder eine 0,33er Cola 4,50€, was ich für etwas übertrieben halte.
Weiter an der N100 zur Fontaine de Vaucluse, wo die Sorgue unter dem Felsen ans Tageslicht hervorquillt. Ein enges Tal, an dessen Ende ein riesiger Fels steht, unter dem das grüne Wasser entspringt und in etliche kleineren und größeren Wasserfällen gen Tal rauscht. Ein Besuch abends empfiehlt sich, da auch hier der Massentourismus Einzug gehalten hat. Abschließend noch ein Besuch in L´Isle sur-la-Sorgue, einem schönen kleinen Ort, durch den die Sorgue fließt. Man überquert diverse Brücken im malerischen Ortskern und am Wochenende findet ein großer Flohmarkt statt, bei dem es sehr interessante (und auch nicht gerade billige) Antiquitäten zu bestaunen gibt.

Luberon
Die Bergdörfer im Luberon: Oppede-Le-Vieux, Menerbes, Lacoste und Bonnieux
Von Cavaillon fährt man die N100 Richtung Apt und biegt kurz hinter Coustellet ab in den Luberon, einem Waldgebirge mit schönen kleine Dörfern und Städtchen, die sich an den Berg schmiegen und herrliche Ausblicke bieten. Nebenbei kann man in Coustellet das Lavendel-Museuem besuchen, wo eindrucksvoll die Geschichte des Lavendelanbaus und der Weiterverarbeitung bis hin zum fertigen Produkt (Seife, Parfum usw) erläutert wird. Aber zurück zu den Bergdörfern...
Von Oppede-Le-Vieux geht es über Menerbes nach Lacoste. Überall kann man anhalten und die Aussicht und den Flair dieser Bergdörfer genießen. In Bonnieux ist Ostern ein traditioneller Töpfermarkt, auf dem weit mehr als Blumentöpfe angeboten wird. Kunstwerke und Töpferwaren aller Art sind hier zu bekommen.

Camargue
Niemand will in der Provence gewesen sein, ohne die Camargue gesehen zu haben. Wilde Pferde, grasende Stiere, eine einzigartige Vogelwelt zwischen Reisfeldern und Sumpflandschaft. Dann zur Krönung Les St. Marie de la Mer, wo abends die Zigeuner vor ihren Wagen Flamenco spielen...
- alles Mythos, die Camargue lebt von einem ewigen Mythos, der in den 60er und 70er Jahren entstand und der damals auch noch einer gewissen Realität nahe gekommen sein mag. Heute jedoch ist nichts davon übrig geblieben, außer einer der üblichen Touristenfallen. Auf der D570 von Arles nach Les St. Marie sieht man die Reisfelder und ca. 15 km vor Les St. Marie kann man die ersten Pferdeverleihstationen sehen. Auf festgelegten Routen im Gänsemarsch mit 20 anderen Touristen reitet man dann durch die "wilde Camargue". Im Parc Ornithologique am Pont de Gau kann man gegen Eintritt Flamingos, Störche und viele andere Wasservögel erleben, leider nur zum Teil in natürlicher Umgebung. Die Volieren verschiedener Greifvögel sind einfach zu klein. Rechts und links der Landstraße ist alles mit Stacheldraht gesichert, damit niemand das Naturschutz- gebiet unbefugt betritt. Les St. Marie ist enttäuschend, wie so viele Touristenstädte am Meer. Kein Flair, man könnte genauso gut in Italien, Spanien oder sonst wo sein, ein Unterschied ist kaum erkennbar.
Wer also in der Camargue noch das erleben will, was Reiseführer und Veranstalter als Mythos verkaufen, sollte hier Bekannte haben, mit denen er außerhalb der festgetretenen Pfade die Ursprünglichkeit dieser sicherlich einmaligen Landschaft erfahren kann.
Schöner als Les St. Marie ist da schon Aigues Mortes, umgeben von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer aus dem Mittelalter. Ein einladender Marktplatz mit Restaurants und Cafes und viele Seitenstraßen für den Einkaufsbummel.
Wer also in die Camargue fährt: Aigues Mortes lohnt sich!

Städte in der Provence
Die Städte in der Provence sind heute noch geprägt von ihrer römischen Vergangenheit oder von dem, was im Mittelalter hier weltbewegendes geschah.
Die heutigen Stierkampfarenen von Arles und Nimes sind alte römische Arenen, die hier sehr gut erhalten und zu besichtigen sind. Es finden dort auch regelmäßig Konzerte statt.
In Avignon ist neben der kaputten Pont d ´Avignon natürlich der Papstpalast zu besichtigen. (Die Parkplätze um die alte Stadtmauer herum sind übrigens kostenlos- bisher) In Aix en Provence kann man auf den Spuren Cezannes wandeln und in jeder Stadt gibt es Galerien in denen Künstler und solche die es werden wollen ihre Werke ausstellen.

Bilder zu den beschriebenen Landschaften unter:
Stenicks Provence Seite

 

WatWo.de bei Facebook

Der Hunsrück

Banner

Impressum | RSS Feed | © 2004-2012 by SaNic media GbR

Top