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Verkehrsunfallanalyse 2009 der PI Boppard
Samstag, den 06. März 2010 um 12:05 Uhr

Boppard. Gesamtzahl der Verkehrsunfälle leicht gesunken - Anzahl der Verkehrsunfälle mit Zweiradbeteiligung ist weiterhin hoch. Die Polizeiinspektion Boppard nahm im Jahr 2009 insgesamt 1107 Verkehrsunfälle in ihrem Dienstbezirk auf. Zum Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Boppard gehören die Verbandsgemeinden Emmelshausen, St. Goar-Oberwesel, Rhens und der Stadtverband Boppard. Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle sank damit im Vergleich zum Jahr 2008 um 107 (- 8,81 Prozent). Beim Großteil der Unfälle handelt es sich um sogenannte Bagatellunfälle. Dazu gehören Verkehrsunfälle mit geringem Sachschaden sowie Wildunfälle. Trotz der gesunkenen Unfallzahlen sind die Unfälle mit getöteten Personen im abgelaufenen Jahr 2009 leider deutlich angestiegen.

 

Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden
Im Jahr 2008 wurde nur eine Person bei einem Verkehrsunfall getötet, 2009 kamen 6 Menschen bei 4 Verkehrsunfällen ums Leben. Diese traurige Bilanz ist insbesondere auf Vorfahrtsverletzungen und zu schnelles Fahren in Kombination mit Drogeneinfluss zurückzuführen. Bei zwei Verkehrsunfällen mit Todesfolge standen die unfallverursachenden Fahrzeugführer erwiesenermaßen unter dem Einfluss von harten Drogen ( Heroin und Kokain ). Die 6 zu beklagenden Opfer wurden alle auf dem 6,3 km langen Teilstück der B 327 zwischen Waldesch und Boppard-Buchholz getötet. Zur Verhinderung weiterer Unfälle wurden die Geschwindigkeitskontrollen auf diesem Streckenabschnitt drastisch erhöht. Die Ergebnisse der Messungen zeigen, dass auf der B 327 oft viel zu schnell gefahren wird. Deshalb müssen Verkehrsteilnehmer auf der Hunsrückhöhenstraße auch weiterhin mit verstärkten Geschwindigkeitsmessungen rechnen, da die Polizei nur durch diese Messungen das Entdeckungsrisiko für Raser deutlich erhöhen kann. Zudem wurden zusammen mit dem Landesbetrieb Mobilität und den Kreisverwaltungen Rhein-Hunsrück und Mayen-Koblenz die Unfallörtlichkeiten analysiert und geeignete Maßnahmen veranlasst, um die Unfallstellen zu entschärfen. Jeder dieser schweren Verkehrsunfälle bringt unsägliches Leid über die betroffenen Familien und Angehörigen.
Die Zahl der Verkehrsunfälle mit schwerverletzten Personen blieb mit 34 auf einem konstant niedrigem Niveau. Bei den Verkehrsunfällen mit Leichtverletzten wurde im Jahr 2009 eine deutliche Abnahme von 105 im Jahr 2008 auf 83 (- 21 Prozent) im letzten Jahr registriert.

Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss
Im vergangenen Jahr fiel den Beamten der Polizeiinspektion Boppard bei 24 Verkehrsunfällen (+ 9,1 Prozent) auf, dass die Fahrzeugführer unter dem Einfluss berauschender Mittel standen. 21 Unfallverursacher hatten Alkohol getrunken, 3 weitere standen unter Einfluss von Drogen. Bei diesen Verkehrsunfällen wurden 4 Personen getötet, 7 Personen schwer und 9 Personen leicht verletzt. Im Vergleichsjahr 2008 waren es 22 Verkehrsunfälle, die auf die Unfallursachen Alkohol und Drogen zurückzuführen waren. Die Beamtinnen und Beamten der Polizei Boppard können diesen Verkehrsunfällen eine beachtliche Zahl von erkannten folgenlosen Drogen- und Alkoholfahrten gegenüberstellen. So wurden 2009 insgesamt 117 folgenlose Fahrten unter Einfluss von Betäubungsmitteln und 71 Fahrten unter Alkoholeinfluss entdeckt. Dies ist auf eine intensive Kontrolltätigkeit zurückzuführen. Allein im Rahmen von Anfahrtskontrollen zum Technofestival Nature One wurden im Zuständigkeitsbereich der PI Boppard auf der Hunsrückhöhenstraße an drei Tagen 41 drogenbeeinflusste Festivalbesucher aus dem Verkehr gezogen. Da die betroffenen Fahrzeugführer überwiegend aus Holland und Belgien anreisten, mussten sie für die zu erwartenden Geldstrafen oder Geldbußen Sicherheitsleistungen in Form von Bargeld hinterlegen. Insgesamt wurden an drei Tagen Sicherheitsleistungen von knapp 10.000,- Euro erhoben. In Bezug auf Drogen und Alkohol im Straßenverkehr sieht die Polizei Boppard einen Schwerpunkt ihrer verkehrspolizeilichen Präventionsarbeit. Speziell ausgebildete Moderatorinnen und Moderatoren der PI halten in den Schulen, Fahrschulen und Jugendzentren Vorträge zum Thema Alkohol und Drogen im Straßenverkehr und führen den jungen Fahranfängern oder zukünftigen Führerscheinbewerbern die mit dem Konsum von Alkohol und Drogen verbundenen Gefahren im Straßenverkehr plastisch vor Augen. Im Jahr 2009 führte die PI Boppard 14 Veranstaltungen durch.

Hauptunfallursache Geschwindigkeit
weiterhin dominant Bezogen auf die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle kristallisierte sich auch im Jahr 2009 erwartungsgemäß Geschwindigkeit als Hauptunfallursache Nr. 1 deutlich heraus. Insgesamt waren im letzten Jahr 180 Verkehrsunfälle in ihrer Entstehung auf die Unfallursache Geschwindigkeit zurückzuführen, wenn auch die Gesamtzahl der Geschwindigkeitsunfälle um 14 gesunken ist. Oft überschätzen sich die Fahrerinnen und Fahrer selbst oder/und unterschätzen die äußeren Einflüsse wie Straßenverlauf, Straßen- und Witterungsverhältnisse. Bei Verkehrsunfällen, die durch zu hohe Geschwindigkeit verursacht werden, sind meistens auch schwere Personen- und Sachschäden zu verzeichnen. Aus diesem Grunde wird die Bekämpfung der Unfallursache Nr. 1 auch in 2010 ein Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizeiinspektion Boppard sein. Junge Fahrer weiterhin stark beteiligt Junge Fahrer sind weiterhin überproportional an Verkehrsunfällen beteiligt. Die Altersgruppe der 18 bis 24 jährigen war im Jahr 2009 an 303 Verkehrsunfällen beteiligt, 2008 waren es 257 Unfälle. Damit waren junge Fahrer in 27,37 Prozent aller von der PI Boppard aufgenommenen Verkehrsunfälle involviert. Bei diesen Verkehrsunfällen wurden 4 Personen getötet, 12 Personen schwer und 39 Personen leicht verletzt; 2008 waren 7 Schwerverletzte und 27 Leichtverletzte zu beklagen. Die Kombination aus geringer Fahrpraxis und einer höheren Risikobereitschaft spiegelt sich bei den jungen Fahrern sehr eindrucksvoll in der Unfallstatistik wieder, weshalb diese Gruppe auch zukünftig im Fokus der repressiven und präventiven Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei Boppard stehen wird. Viele junge Fahrer sind sich außerdem nicht bewusst, dass sie während der Fahrt für das Leben und die Gesundheit der anderen Insassen ihres Fahrzeuges verantwortlich sind.

Unfälle mit Beteiligung von Kindern
Die Präventionsarbeit des Verkehrssicherheitsberaters der Polizeiinspektion Boppard, POK Markus Landsrath, setzt bereits bei Kindern im Kindergartenalter an. Kinder sind die schwächsten und unerfahrensten Verkehrsteilnehmer und bedürfen daher besonderer Aufmerksamkeit. Neben dem ersten Kontakt mit der Polizei steht vornehmlich das richtige Verhalten als Fußgänger im Mittelpunkt der kindgerechten Aufklärung, die durch praktische Übungen im Realverkehr ergänzt wird.
An mehren Kindergärten kommt jährlich auch die Polizei-Puppenbühne zum Einsatz, die neben der Verkehrsunfallprävention mit ihren thematisch integrierten Programmen auch Kriminal- und Gewaltprävention betreibt. Gerade der erste Kontakt mit der Polizei im Kindergartenalter hinterlässt prägende Eindrücke, die erfahrungsgemäß lange haften bleiben und für die spätere Einstellung der Zielgruppe gegenüber der Polizei von wichtiger Bedeutung sind.
Im Jahr 2009 sind die Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung leicht auf 13 (- 13,33 Prozent) gesunken, im Jahr 2008 waren es noch 15. Dabei wurde ein Kind getötet, 2 Kinder wurden schwer- und 9 Kinder leicht verletzt. Die Zahl der verletzten Kinder könnte bei richtiger Sicherung im Fahrzeug weiter gesenkt werden. Deshalb appelliert die Polizei an alle Eltern, ihre Kinder während der Fahrt ordnungsgemäß zu sichern. Informationsmaterial zur Wahl des richtigen Rückhaltesystems hält die Polizeiinspektion Boppard bereit.

Anzahl der Verkehrsunfälle mit Zweiradbeteiligung weiterhin hoch
Alarmierend ist die hohe Anzahl von Unfällen mit Zweiradbeteiligung. Im letzten Jahr verzeichnete die Polizeiinspektion Boppard einen massiven Anstieg der Verkehrsunfälle mit Motorradfahrern. Die Strecken, die ins Rheintal führen, sind ein Eldorado für Zweiradfans. 2009 verzeichnet die Polizei Boppard 35 Unfälle mit Zweiradbeteiligung, dabei wurde ein Motorradfahrer getötet, 8 wurden leicht- und 17 schwer verletzt. Innerhalb des Polizeipräsidiums Koblenz hat die Polizeidirektion Koblenz eine Zweiradkontrollgruppe ins Leben gerufen, in der sich auch mehrere Polizeibeamte der Polizeiinspektion Boppard engagieren. Die Kontrollgruppe ist mehrmals im Jahr im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Boppard unterwegs. Neben der Repression setzt die Polizei bei diesen Kontrollen auch auf Aufklärung, da die kontrollierenden Beamten in der Regel selbst begeisterte und erfahrene Motorradfahrer sind und deshalb auf Augenhöhe mit den kontrollierten Zweiradfahrern kommunizieren können.

Zahl der Wildunfälle rückläufig
Mit 341 polizeilich aufgenommen Wildunfällen im Jahr 2008 war offensichtlich ein Höchststand erreicht. Im Jahr 2009 wendete sich der negative Trend der letzten Jahre ins Positive. So ging die Zahl der Wildunfälle um 72 Unfälle auf nunmehr 279 zurück.

Verkehrsunfälle mit Seniorenbeteiligung
Die demographische Entwicklung der Bevölkerung spiegelt sich auch in der Verkehrsunfallstatistik wieder. Waren im Jahr 2008 noch 201 ältere Menschen über 65 Jahren an Verkehrsunfällen beteiligt, ist diese Zahl im Jahr 2009 auf 185 Beteiligte gesunken. Die überwiegende Anzahl der Senioren war als Fahrer/Fahrerin oder Insasse eines Pkw beteiligt. Bei 31 der 185 Verkehrsunfälle mit Seniorenbeteiligung waren Personenschäden zu beklagen. Dabei wurden 31 Senioren leicht und 8 Senioren schwer verletzt. Ein vorfahrtsberechtigter Motorradfahrer wurde getötet. Um die Zahl der Verkehrsunfälle mit Seniorenbeteiligung zu stabilisieren, hat die Polizeiinspektion Boppard am 30.05.2009 in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Koblenz und der Beratungs- und Koordinierungsstelle der Caritas das Verkehrssicherheitsprojekt „sicher & mobil 50plus“ in Emmelshausen im Zentrum am Park durchgeführt. Unterstützt wurde das Projekt auch von der Landes- und Kreisverkehrswacht. An dem Verkehrssicherheitstag wurde der Generation 50 plus ein „Marktplatz der Informationen“ rund um die Verkehrssicherheit und die Mobilität angeboten. Themenschwerpunkte waren neben der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit, die Gesundheit, rechtliche und technische Neuerungen sowie alternative Formen der Mobilität, wie beispielsweise Angebote im öffentlichen Nahverkehr oder der Bürgerbus.

Verkehrsraumgestaltung wichtiges Element der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit
Da ausschließlich die Polizei Verkehrsunfälle aufnimmt, hat sie dank digitalisierter Auswertungsmöglichkeiten und gestützt auf ihre Erfahrungen schnell einen Überblick, wo sich Unfallhäufungsstellen oder Unfallhäufungslinien in ihrem Dienstbezirk entwickeln. Unter Beteiligung der Straßenverkehrsbehörden und dem Landesbetrieb Mobilität kann die Polizei somit frühzeitig auf bestimmte Unfallentwicklungen reagieren und Anregungen für die Beseitigung erkannter Ursachen in der Verkehrsraumgestaltung geben, z.B. durch Vorschläge zur Optimierung der Beschilderung oder von baulichen Maßnahmen. Gemeinsame Ortstermine, bei denen spezifische Verkehrsprobleme vor Ort diskutiert, Lösungsvorschläge erarbeitet und zeitnah umgesetzt werden, haben sich bewährt und werden daher auch im Jahr 2010 fortgesetzt. Zwischen dem Landesbetrieb Mobilität, in der Regel vertreten durch die Leiter der Straßenmeistereien, den Straßenverkehrsbehörden und der Polizei hat sich - nicht zuletzt durch die Arbeit in der Unfallkommission - eine über Jahre gewachsene, positive Zusammenarbeit entwickelt, deren Ergebnisse der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu Gute kommen.

Ausblick für das Jahr 2010
Die Polizeiinspektion Boppard hat sich auch für das Jahr 2010 das Ziel gesetzt, die Anzahl der Verkehrsunfälle, bei denen Personen schwerverletzt oder gar getötet werden zu stabilisieren oder gar zu senken. Neben der gruppenspezifischen Präventionsarbeit wird in der verkehrspolizeilichen Repression der Fokus auf Verkehrsteilnehmer gerichtet, die sich nicht an Geschwindigkeits-beschränkungen halten, durch gefährliche Überholmanöver auffallen oder das Rechtsfahrgebot missachten. Im Blickpunkt stehen auch sonstige Unsitten wie Telefonieren am Steuer, Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes oder die mangelnde Sicherung von Kindern. Alkoholsünder und Drogenkonsumenten werden sich auch im Jahr 2010 einem hohen Kontrolldruck ausgesetzt sehen.

Foto: PI Boppard

 

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